
MIG: Finanzierungsrunde von Schweizer Parasiten-Start-up
Mit Blick auf eine wachsende Herausforderung in Landwirtschaft, Viehzucht und Haustierhaltung investiert MIG Capital über die MIG Fonds 17 und 18 gemeinsam mit internationalen Partnern 7,75 Mio. Schweizer Franken in das Schweizer Start-up ASTRA Therapeutics, das sich auf Präzisionsmedikamente gegen Parasiten spezialisiert hat. Drei Millionen der Finanzierung stammen von MIG, um damit die wachsende Resistenzbildung bei eukaryotischen Krankheitserregern anzugehen.
ASTRA entwickelt mithilfe seiner ParaX®-Technologieplattform neuartige Wirkstoffe gegen eukaryotische Krankheitserreger, die in Tierhaltung, Nutzpflanzenbau und auch im humanmedizinischen Bereich zunehmend für erhebliche Gesundheits- und Wirtschaftsverluste sorgen. Besonders betroffen sind Kokzidien in der Geflügel- und Schweinehaltung sowie Herzwürmer bei Hunden und Katzen – Parasiten, gegen die bestehende Medikamente durch zunehmende Resistenzbildung vielerorts an Wirksamkeit verlieren.
Das Unternehmen nutzt strukturelle Unterschiede zwischen parasitären und tierischen Zellproteinen, um selektiv wirksame Substanzen zu entwickeln. Genauer geht es dabei um Tubuline, die bei der Zellteilung entscheidend sind für die korrekte Verteilung der Chromosomen auf die Tochterzellen. Davon gibt es in jeder Spezies unterschiedliche Subfamilien, die in der Evolution mit den sich wandelnden Genomen und Chromosomensätzen mitevolviert sind. Die daraus abgeleitete Parabuline®-Wirkstoffklasse des Unternehmens umfasst bereits über 15 patentfähige chemische Gruppen. Erste in vivo-Daten zeigten vielversprechende Wirksamkeit, laut Mitteilung der Investoren.
Die Finanzierung wird angeführt von MIG Capital (3 Mio. CHF über MIG Fonds 17 und 18) und dem US-Investor Digitalis Ventures, gemeinsam mit Borealis Ventures aus Wien (Österreich), Kickfund und Venture Kick aus wohl einem sehr wirtschaftlichen Grund: Der globale Markt für Parasitizide übersteigt 10 Mrd. US-Dollar und wächst stetig, jährlich etwa um weitere 5%. Gleichzeitig stehen viele etablierte Produkte vor dem Patentablauf, was Innovation dringend nötig macht. Auch deswegen, weil gegen diese älteren Mittel bereits sehr viele Resistenzen unter den Erregerns verbreitet sind. In einzelnen Regionen sind laut Studien bereits bis zu 98 % der Herzwurmfälle (eine Erkrankung bei Hunden) resistent gegen herkömmliche Therapien – mit erheblichen Folgen für Tiergesundheit und Produktivität.
Für die Übertragung des Herzwurms beim Hund sind Stechmücken verantwortlich. Viele verschiedene Arten von Stechmücken können Dirofilaria immitis, wie Herzwürmer wissenschaftlich heißen, weitergeben, auch in Europa lebende Arten. Wenn eine Stechmücke beim Blutsaugen an einem infizierten Tier die winzigen Herzwurmlarven, Mikrofilarien genannt, aufnimmt, können sich diese im Körper der Mücke weiterentwickeln. Das dritte Larvenstadium ist schließlich das infektiöse Stadium für Hunde. Wenn die Mücke nun einen Hund sticht, kann sie die Parasiten weitergeben. Hunde stecken sich jedoch nicht untereinander an.
„ASTRA adressiert einen echten Engpass in der Tierarzneimittelentwicklung,“ so Andreas Kastenbauer, Partner bei MIG Capital. „Mit innovativer Technologie, einem erfahrenen Team und einem wachsenden Bedarf im Markt sehen wir großes Potential.“ Die beiden Gründer von ASTRA Therapeutics sind Dr. Natacha Gaillard und Dr. Ashwani Sharma, die als Strukturbiologen die feinen Unterschiede der diversen Tubulin-Klassen studiert haben.
ASTRA Therapeutics wurde 2022 gegründet und ist im Park InnovAARE in Villigen (Kanton Aargau, CH) ansässig. Für MIG Capital ist dies das erste Investment in ein Schweizer Biotech-Unternehmen und das zweite Engagement im Veterinärsegment nach der Beteiligung an HawkCell im Jahr 2024.